unter gottes fittiche
Acht Menschen. Eine Kirche. Eine suche nach Gott. in einer Nacht.
In Zusammenarbeit mit der KSHG Münster
Grundsätzlich/ Raum
In der ersten Produktion haben wir uns in den Makroorganismus „Dorf“ begeben, die zweite Produktion spielt in der Kirche, als eines der Mikroorganismen eines jeden Dorfes und einer jeden Stadt. Uns interessiert, wie die vielfach gesuchte und ersehnte Durchdringung des Göttlichen ganz praktisch und unbemerkt in unserem Alltag seinen Platz finden kann. Wie es ist, wenn der Mensch noch mit der scheinbaren Banalität seiner inneren Konflikte zu tun hat und gar nicht bemerkt, dass Gott schon da ist, Der Mensch nur etwas still halten müsste um Gott zu fühlen oder eben auch nicht. Und natürlich interessiert uns, wie eine ganz normale zwischenmenschliche Geschichten mit all ihrem Herzblut im Raum „Kirche“ erzählt werden kann und wie die Wirkungszusammenhänge in Bezug auf Pathos und Enge eines Kirchenraums sich gestalten. Der Raum „Kirche“ ist für uns spannend, weil er automatisch Emotionen bündelt und heraufbeschwört, weil er Erwartungen weckt und zwar nur dadurch, dass es ihn gibt, ohne dass er etwas tun muss.
Inhalt
Kurzbeschreibung/Inhalt
Acht Personen befinden sich in einer Kirche. Sie treffen sich hier wieder und wieder, per Zufall, Bestimmung oder was auch immer. Acht Individuen suchen in Gottes hohem Raum Halt, Trost und Zuversicht. Den meisten geht es nicht gut, weil das Leben ihnen gerade übel mitspielt. Oder sie schleppen einen Ballast mit sich herum und würden den gerne abwerfen und frei werden. Man kommt ins Gespräch. Erst zögerlich, dann wird es auch mal laut oder mal amüsant, je nach Stimmungslage. Die Personen nehmen sich den Raum, überwinden Pathos und Vorsicht und immer wieder geht es um die Frage, ob Gott hier fühlbarer ist und wenn ja, wie das geht oder ob denn wenigstens mal ein Pastor vorbei kommt.
In all diesem Suchen und Sehnen kommt einer auf die Idee, sich für eine Nacht in der Kirche einschließen zu lassen. Zögerlich schließen sich alle dieser Ungeheuerlichkeit an: Bepackt mit Schlafsäcken, Schlafanzügen, Brot, Wein und Gitarre und nisten sich ein, für eine Sommernacht unter Gottes Fittiche. Was dann passiert, ist "nur" das Leben und ist eine Hand, die gereicht wird. Von irgendwo her.
Es spielen:
Ulrich Sprenger
Christiane Balster
Florian Tepelmann
Nadine Speckels
Andrea Worlitz
Marina Weisband
Markus Mischke
Alicia Neuhaus
Fotos: Ulrich Sprenger
Premiere: 18.6., 21 Uhr in der Petrikirche
Weitere Aufführung: 25.6., 21 Uhr, Petrikirche
Karten 8/11 €
unter 0251/3964527
Leitung, Text, Regie: Stefanie Bockermann
Grevenerstr. 6
48149 Münster
0251/3964527
0177/6792021
Produktion 2008
gottverlassen
Saftige Haut, sagt Papa, Früchtchen, sagt er.
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| gottverlassen |
Im Dorf verliebt sich Freddie, ein
netter, etwas in sich gekehrter Mann, in
Barbara, die Tochter des Nachbarbauern.
Dieser Nachbar ist ein alter,
schroffer Typ, der sich für Gott hält und
weiter nicht viel sagen möchte, weil er
die Menschen lieber meidet und sich
stattdessen seinem Vieh zuwendet.
Nur seine Tochter, die scheint er abgöttisch zu lieben.
Barbara ist schwanger und Freddie ist der Vater des Kindes. Doch
Barbara weist Freddie zurück. So etwas
kommt auch im Dorf vor... Der Zurückgewiesene,
der zudem vor ein paar Jahren seine Frau an eine schreckliche
Krankheit verloren hat, leidet und schweigt. Ein unbeholfener Versuch,
mit Barbara über seine Liebe zu sprechen, verliert sich unversehens in ein
Gespräch über Marillentorte mit Sahne, die seine Schwägerin gebacken
hat.
Überhaupt: im Dorf wird viel
gebacken und Kaffee getrunken,
ausserdem hat der kleine Dorfladen
jetzt längere Öffnungszeiten, was natürlich besprochen wird. Und die Frau
vom Lehrer ist plötzlich auf und davon, was jeder verstehen kann. Der soll
nämlich seine Frau schlecht behandelt haben und das kann sich ein
Mann heute nicht mehr erlauben. Das
behauptet der Bürgermeister, der ansonsten
frustriert darüber ist, dass niemand
seinen Einsatz für die Gemeinschaft
anständig würdigt.
Es gibt auch zwei fröhliche
Mädchen, die keck um die Beine herumschwirren,
artig fromme Verse auswendig
lernen und sich auch noch
gegenseitig das Gruseln beibringen.
Und feiern können sie hier, so ausgelassen,
dass sich die Balken biegen.
Da tanzt jeder mit jedem. Und auch
Luzie, die noch neu hier ist, weil sie erst
seit zwanzig Jahren im Dorf lebt,
mischt ordentlich mit. Das alles passiert
hier, im Dorf.
Und über allem wacht der liebe
Gott und passt auf, dass bloss nichts
schief geht. Dann aber scheint der
liebe Gott mal nicht so genau
aufzupassen. Denn wie es sich für ein
ordentliches Dorf gehört, hat der eine
oder andere auch was aufgeschnappt:
Man munkelt, dass das
Kind, das Barbara in ihrem Leib trägt,
vielleicht nicht von Freddie, sondern
von ihrem eigenen Vater sein könnte.
Weil die beiden schon immer so seltsam
miteinander waren. So richtig laut
sagt sich das aber nur mit einem gewissen
alkoholischen Pegel, weil es ja
auch so eine Sache ist mit der
Wahrheit.
Dann begeht ein tief gedemü-
tigter und sehr trauriger Mensch eine
schlimme Tat.
Und zurück bleibt der all
gegenwärtige strenge Geruch von
Vieh, von frisch gemähtem Gras und
natürlich von cremigen Torten mit
Schlagsahne. Und der krampfhafte
Versuch der Dorfbewohner, wieder
alles so hinzubiegen, wie es einmal
war. Mit oder ohne Gottes Hilfe.
Text und Regie: Steffi Bockermann
Bühnenbild: Wilhelm Neu
Information
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Presse
Münstersche Zeitung, 29.08.08, pdf, 90kb
Westfälische Nachrichten, 29.08.08, pdf, 600kb
Weitere Presse
gottverlassen
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